Kung-Fu

Die Wurzeln des Kung-Fu

Kung-Fu TempelAlles begann im Jahre 64 christlicher Zeitrechnung, als ein Kaiser Chinas seine Delegierten in den Westen entsandte, um ein Studium der buddhistischen Lehren zu vollziehen. Nach drei Jahren kehrten die Gesandten in Begleitung zweier Mönche sowie mit den buddhistischen Lehrreden (Sutras) und Figuren auf weißen Pferden nach China zurück. Der erfreute Kaiser ließ sogleich einen Tempel als Zentrum des Buddhismus errichten, der als „Tempel des Weißen Pferdes“ in die Geschichte einging.

Buddhabhadra

Gute vier Jahrhunderte später begab es sich, dass Buddhabhadra – ein Krieger und Mönch Indiens – durch China reiste, um den Buddhismus zu verbreiten. Sein mildes Herz, seine Weisheit und Bescheidenheit eilten ihm voraus und gelangten bis an den Hof des Kaisers. Und so lud der chinesische Herrscher den Reisenden in den Palast ein – tatsächlich bot er ihm später sogar an, für immer im Palast zu leben. Doch Buddhabhadra erbat sich eine Bleibe, die für das Volk leichter zugänglich war, denn nur so könne er den Menschen dienen. Der Kaiser stimmte seinem Wunsch zu und überließ ihm einige Hektar Land in den Hl. Bergen von Henan. Hier würde ein Tempel entstehen, der später den Namen „Shaolin“ tragen sollte.

Bodhidharma

Währenddessen erblickte im Süden Indiens ein neuer Prinz das Licht der Welt. Als Sohn des indischen Herrschers gehörte er der obersten Kaste der Brahmanen und dem Stand der Krieger an. Schon in frühen Jahren erlernte er die Kampfkunst. Als junger Mann schloss er sich leidenschaftlich den Lehren des Mayhayana Buddhismus an, welche anspruchsvolle Leibesübungen als Teil der Meditation und des Lernens ansahen. Nach dem Tod seines Meisters verbreitete er den indischen Buddhismus in der 28. Generation. Von nun an trug er den Namen: „Bodhidharma“.

Da es der letzte Wunsch seines Meisters war, reiste auch Bodhidharma nach China, um den Buddhismus zu verbreiten. Und auch er hinterließ bleibenden Eindruck auf die Chinesen. Wieder gelangte der Ruf eines Reisenden bis an den Hof des inzwischen neuen Kaisers und wieder lud der Herrscher jenen geheimnisvollen Gast in seinen Palast ein. Doch der Besuch verlief für Bodhidharma nicht ganz so erfreulich wie für seinen Vorgänger Buddhabhadra: Der Kaiser fühlte sich von den buddhistischen Lehren bedroht und verwies ihn des Hofes. Inzwischen hatte Bodhidharma jedoch von dem Tempel des Weißen Pferdes und dem Tempel der Shaolin erfahren.

Bodhidharma begab sich also auf eine weitere Reise, die ihn nun in die Heiligen Berge zum Tempel der Shaolin führte. Doch was er vorfand, erschreckte ihn sehr: Die Mönche waren schwach und kränklich – in seinen Augen sogar faul. Als treuer Schüler und Lehrer des Mayhayan Buddhismus glaubte er nach wie vor an die unumstößliche Verbundheit der körperlichen Ertüchtigung mit der geistigen Meditation. Die Mönche zeigten sich wenig begeistert von der Meinung des Neuankömmlings und verwiesen ihn des Tempels. Bodhidharma hätte seine Reise fortsetzen und die Geschichte ihren Lauf nehmen lassen können, doch er beschloss, seine neue Heimat in einer kleinen Höhle – etwa 30 Minuten des Fußmarsches von dem Shaolin Tempel entfernt – zu finden.

An dieser Stelle verschwimmen alte Überlieferungen mit der Legende. So gibt es Behauptungen, Bodhidharma habe neun Jahre damit verbracht, in der Höhle zu meditieren. Wie lange er dort wirklich lebte, ist unbekannt; fest steht nur: Er lebte sehr lange in dieser bescheidenen Höhle. So lange, dass selbst einige der Shaolin Mönche neugierig wurden und ihn dort besuchten. Seine Entschlossenheit und auch seine kämpferischen Fähigkeiten beeindruckten sie. Und eines Tages sollten sich die Türen des Shaolin Tempels ein weiteres Mal für Bodhidharma öffnen.

Mit seiner Rückkehr in den Tempel zog auch die Kampfkunst ein. Bodhidharma definierte drei Übungen – die Anfänge des Shaolin Tempel Kung-Fu:

❂ Yi Jin Jing: die Muskel- oder auch Sehnenmetamorphose
❂ Xi Sui Jing: die Knochenmark-Waschung
❂ Shi Ba Luo Han Shou : die 18 Lohan Hände

Im Laufe der Zeit ergänzte Bodhidharma weitere Techniken, insbesondere der Selbstverteidigung.

➜ Dies war die Geburtstunde des Kung-Fu. Wer wissen möchte, wie diese chinesische Kampfkunst heranwuchs und sich in allen Ländern der Welt verbreitete oder welche goldenen Zeiten und welche Zeiten der Verfolgung die Shaolin Mönche im Laufe der Jahrhunderte durchlebten, darf sich auf unser Buch „Kung-Fu Basics“ freuen, welches im November 2015 erschienen ist: siehe unten!

Kung-Fu basics